Blauer Tag voll schwarzer Vögel – Ölgemälde von Herbert Benedikt

6 April, 2011 | Allgemein

Das Ölgemälde „Blauer Tag voll schwarzer Vögel“, 1969, 30×27 cm, Öl auf Holz. Die Signatur des Künstlers befindet sich rechts unten im Bild. Es ist kürzlich über einen Erbfall auf dem Markt gekommen und befindet sich jetzt wieder in Privatbesitz.

Herbert Benedikt Blauer Tag voll schwarzer Vögel, Öl auf Holz, 1969

Herbert Benedikt entwickelt das Bild um eine aufrechtstehende Frauengestalt, die nur mit einem eleganten, in roten Falten gelegten Rock, den ihre linke Hand auf dem Unterbauch ruhend fixiert, bekleidet. Der Oberkörper ist schlank und nackt und der Kopf auf langem Hals wurde durch eine gelbe Blüte mit aufwendigen Blütenfortsetzen und einer blauen Perle in der Mitte ersetzt.

Die Figur, die ihre rechte Hand über den nackten Bauch gelegt hat, steht in Mitten eines Kraters, der hinter ihr im Boden zusätzlich geöffnet und aufgebrochen erscheint. Im Krater hinter der Figur, die den Rand des rückwärtigen Kraterrandes um längen überragt, ohne das man über den Rand hinwegsehen könnte, finden sich zu beiden Seiten je drei weiß-rot gestrichene Stangen, wie sie oft in Venedigbildern Benedikts als Ankerplatz von Gondeln Verwendung finden. Der saftig grüne Boden ist mit niedrigem Buschwerk, wie hereingetupft gemalt, besetzt.

Die Situation ist angelehnt an Benedikts Begeisterung über die Form und Struktur der Steinbrüche im heimischen Neubeckum. Daher kann der Kraterrand auch als Benker bezeichnet werden. Am Benker sind im Hintergrund je zwei Baumgruppen zu erkennen. Auf der rechten Seite drei dünne, junge Bäumchen und auf der linken Seite vier jünge Bäumchen. Benedikt spielt mit den Baumgruppen auf die heilige und die weltliche Zahl 3 und 4 an. Der Dreiklang von gleichen Motiven findet sich in vielen Bildern Benedikts, z.B. Venedig Nr.3 Die Frauengestalt steht wie in der Mitte eines Amphitheaters, ohne das weitere menschliche Wesen zu erkennen sind.

Im bewegten Himmel, der als Hintergrund 2/3 des Bildes in einer geschwungenen Form des Steinbruches einnimmt, sieht man getupfte Wolkenformationen, wie sie viel in der Fläche Westfalens zu beobachten sind. In vier Formationen je zwei auf jeder Seite sind schwarze kleine Vögel zu erkennen. Die Vögel sind weder bedrohlich noch sehr genau zu erkennen, so dass der blaue Himmel und die Vogelschwärme die dem Bild den Titel geben, in einem starken Kontrast zu der beherrschenden Blütenkopffrau im Zentrum stehen.

Eine ähnliche Komposition, hier allerdings mit einer Satellitenschüssel als Kopf schuf Benedikt in den Jahren 1959 bis 1962 als Radierung. Hier ist der Körper der Frau aber weniger ästhetisch mehr asketisch ausgezehrt und die Arme sind überlängt und eher hektisch vor dem Körper gehalten.
Biografisch ist Benedikt in dieser Zeit Zeichenlehrer an der Fachhochschule für Innenarchitektur in Beckum und Detmold. Eine für ihn glückliche Zeit, da ihm das Unterrichten junger Studenten viel Freude bereitete.
Im Vergleich zu der colorierten Zeichnung fällt auf, dass das Bild eher einen ruhigeren Charakter und einen weniger bedrohlichen zeigt. Die hektische Übersiedlungsphase scheint abgeschlossen und ein gutes Auskommen durch Aufträge und durch die Anstellung als Zeichenlehrer bestätigte die Richtigkeit des Wohnortwechsels nach Westfalen.
Der Titel des Ölgemäldes lässt auf eine negative Nuannce durch die dunklen Vögel, die den blauen Tag beherrschen deuten. Im Bild ist diese Stimmung nicht zu spüren. Vögel als Sinnbild von Seelen Verstorbener, die die Blütenkopffrau an einem blauen hellen Tag umgeben und vielleicht sogar Schutz in der etwas unwirklichen Steinbruch bieten könnte den Maler ebenfalls zu der Betitelung seines Werkes geführt haben.

 

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