Mann mit Baum Radierung

20 Juni, 2009 | Grafik

Die Radierung „Mann mit Baum“ entstand 1975 als eine der im gesamten Oeuvre Herbert Benedikts selten vorkommenden Radierungen. Das hier gezeigte Blatt ist Nummer 5/25. Die Signatur des Künstlers befindet sich rechts unten auf dem Blatt. Das Blatt wurde anlässlich einer Ausstellung in Schloss Vornholz von den Besitzern zeitnah zum Entstehungszeitpunkt erworben.

Radierung Mann mit Baum, 1975, Privatbesitz

Radierung Mann mit Baum, 1975, Privatbesitz

Das Blatt hat die Größe von 28 x 21,5 cm und ist als Hochformat angelegt. Die verwendete Farbe zum Druck ist blau. Dadurch bekommt das Blatt eine starke Tiefenwirkung. Der Künstler hat die gesamte Platte bearbeitet. Das eigentliche Motiv, das auch in seiner Ölmalerei häufiger Verwendung findet, ist scheinbar aus einem Märchen entlehnt.

Ein mit einem kostbaren, pelzverbrämten Mantel gekleideter Mann liegt schlafend unter einem Baum. Der Baum scheint mittig aus seinem Körper zu wachsen oder steht eng hinter der schlafenden, horizontal ausgestreckten Figur. Das Gesicht ist zum Betrachter gewendet. Die Füsse sind parallel angeordnet und schauen aus dem, die sonstige Figur bedenkenden Mantel hervor. Ihre Anordnung ist der byzantinischen Fussanordnung des gekreuzigten Christus (parallel nicht übereinander) nicht unähnlich.

Durch den reich verzierten Mantel liegt der Schluss es könnte sich um eine russische Märchenfigur handeln nahe. Märchenhaft erscheint auch der Baum, der durch seine Krone, die in vielen Tentakeln ausläuft, weniger wie ein Baum, mehr wie eine Koralle oder ein Meeresbewohner wirkt.

Auf dem breiten Stamm laufen stengelartige Verästelungen in die Krone hinein und lassen ein florales Motiv wieder stärker werden.

Auch der Hintergrund dieser Szenerie ist stark ornamental wie Blüten oder kleine Sonnen gestaltet. Die Position der Figur und die traumhafte Umgebung lassen Zitate an den Traum des Josefs oder der Himmelsleiter oder der Wurzel Jesse erkennen. Die ornamentale Dekoration findet in Benedikts Werk immer wieder Verwendung. Der Baum kommt mit seiner Kronenform öfter auch als fein ziseliertes Gefäss mit Fuss vor.

Vergleich „Mond im Silberbaum“, WVZ 0046-09, 1971, in Privatbesitz.

Mond im Silberbaum, WVZ 0046-09, 1971, in Privatbesitz.

Mond im Silberbaum, WVZ 0046-09, 1971, in Privatbesitz.


[ad#Google Adsense]

Kommentare

Comment von W. Schmitt
Time So 6. Dezember 2015 at 20:20

Das vorliegende Motiv ist auch in meinem Besitz Nr. 18/25 und ist bezeichnet: DER SCHLAFENDE DES THALES.
Es handelt sich offensichtlich um ein Märchen/Sage, evtl. aus Osteuropa oder Asien.

Schreiben Sie einen Kommentar