Brunnen der Wahrheit

26 Juni, 2009 | Malerei

Das Ölgemälde „Brunnen der Wahrheit“ wurde von Herbert Benedikt 1983 gemalt. Die Signatur befindet sich links unten im Bild. Das Bild hat die Masse von 50 x 60 cm und ist in Öl/Kasein auf Holz gemalt. Das Bild ist ein Stillleben und zeigt zwei Elemente, die aufeinander bezogen und durch eine gemeinsame Basis verbunden sind.

Ölgemälde Brunnen der Wahrheit, 1986, WVZ 0021/09, Privatbesitz
Ölgemälde Brunnen der Wahrheit, 1986, WVZ 0021/09, Privatbesitz

Das als Querformat gearbeitete Bild zeigt in der linken Hälfte des Bildes in naturalistischer Malweise den berühmten Römischen „Mund der Wahrheit“ Bocca della verita, der in der Vorhalle der romanischen Kirche Santa Maria in Cosmedin in Rom zu finden ist. Das Original ist ein aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. stammendes Marmorrelief mit dem Kopf des Flussgottes Triton. Der Legende nach verspeist der Mund der Wahrheit die Hände von Lügnern.  Das Relief ist von Benedikt auf ein antikes Kapitell gestellt worden, das als Spolie abgearbeitet und ohne weitere Säulenreste das Relief trägt.

Diese Anordnung steht auf einem schwarzen Marmorsockel, der gleichmässig als Rechteck gestaltet, die  die Assoziation, durch die umlaufend gemalte schwarze Rille, eines Sarkophages aufkommen lässt.
Rechts neben dem Marmorrelief steht gleich hoch gearbeitet ein Vogelkopf im Profil. Der Vogel schaut in Richtung des Reliefs und sein roter Schnabel schneidet minimal das Relief. Der Kopf steht ohne Körper direkt auf dem Marmorsockel.
Benedikt malte zwei Mal den Bocca della verita. Das zweite Bild trägt den Titel „Mund der Wahrheit“ WVZ-0037-1  von 1980 und befindet sich in Privatbesitz.
Beide Bilder entstanden als Reflexe auf Romreisen des Künstlers. Benedikt hat sich häufiger als Vogelkopf in seine Bilder hineingeholt. Der Vogel schaut zum Wahrheitsorakel. Der Blick scheint ein inneres Resumee zu ziehen. Die häufigen Selbstzweifel des Malers können hierzu ein Hintergrund bilden. Der Vogel ist aber gar nicht in der Lage eine Hand in den Mund zu legen, um so seine Wahrheit zu beweisen.
Daher bleibt die surreale Szenerie des Bildes offen. Vogel und Relief stehen auf einem Sarkophag, der Endlichkeit aber auch Ruhm bedeuten kann. Dass das Marmorrelief noch einen Erhöhung durch das reich dekorierte Kapitell erfährt, zeigt die legendäre Kraft und die Entrückheit des Kunstwerkes gegenüber des lebendigen und reich gefiederten Vogelkopfes. Leben und Tod, Legende und aktives Leben, Wahrheit und Zweifel sind so im Bild in Kontrasten durch die Motive einander gegenüber gestellt.
Das Bild ist nach Fertigstellung in den Besitz eines Verwandten des Künstlers übergegangen, der gegenüber dem Künstler beklagte, dass er bis zu diesem Zeitpunkt noch kein Bild von ihm hätte kaufen können. Das Motiv wurde offen gelassen und Benedikt lieferte das Bild nach einer Romreise zur Zufriedenheit des Verwandten. Das Bild wurde verkauft und befindet sich wieder in Privatbesitz.

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