Das englische Fräulein – Ölgemälde von Herbert Benedikt 1981

14 Januar, 2013 | Malerei

Herbert Benedikt malte das Gemälde „Das englische Fräulein“, Öl /Kasein auf Holz, 24 x 30 cm, 1981, WVZ-0091, das sich heute im Privatbesitz befindet, nach einer Italienreise zu den Palladiovillen in der Toskana, gemeinsam mit seiner Frau.

WVZ-0091 Englisches Fräulein, Herbert Benedikt 1981

Das Bild ist am unteren linken Rand signiert und gerahmt. Das Motiv des Bildes ist eine, in klassisch akademischer Manier in die Mitte gerückte Brunnenarchitektur, die der Künstler während seiner Reise so oder so ähnlich skizziert hat. Eine Statue in einer muschelartigen Abside, vermutlich  eine sitzende Wassergottheit, bildet die Mitte. Die Architektur, die leicht abgetreppt zur Seite niedriger wird, ist durch Schäden am Putz, als in die Jahre gekommen gekennzeichnet. Zwei Bäume flankieren im Mittelgrund den halben Bildausschnitt und scheinen wie Wächter vor der Architektur rechts und links von einem Wasser, das von der Architektur zu kommen scheint zu stehen.

Im Vordergrund rechts ist eine sitzende Frau mit rotem Regenschirm vor einer Staffelei gezeigt. Das Bild auf der Staffelei, zeigt die Situation im Hintergrund, so dass die Frau augenscheinlich sich zum Malen der Situation der Brunnenarchitektur niedergelassen hat. Sie selber ist im Profil, das sich nach links zum Betrachter öffnet gezeigt. Ihre Kleidung mit Hut und Schirm verortet sie in die Zeit des beginnenden 20ten Jahrhunderts. Benedikt spielt dabei auf die überlieferten Reiseberichte wohlhabender englischer Fräuleins an, die wagemutig oft im eigenen Auto Europa und den Orient bereisten. Diese Touristinnen sind bereits im 19. Jahrhundert greifbar und sind u.a. auch am Rhein in Burgen unterwegs gewesen und auch machmal bei diesen Touren tödlich verunglückt.

Benedikt nimmt die Situation in ihrer malerischen, aber durch seine Biografie auch greifbaren Hochachtung vor der Renaissance auf dessen Spuren er reist, ebenso wie sein Fräuleinmotiv auf. Seine Erlebnisse vor Ort, die häufig mit dem Tourismus der Neuzeit identisch sind, stoßen ihn ab, so dass er selber mit dem Versetzen in eine andere Zeit, die nicht seine eigene ist, sein eigenes Touristentum mit dem Nutzen der malerischen Reize kommentiert. Durch die große Qualität der Naturschönheit und der Architektur die ihn fasziniert ist er zu dem Bild angeregt, aber die erlebten Touristen, die auch als Hobbymaler dort anzutreffen sind, versucht er Distanz durch die Frauengestalt zu schaffen. Diese zeigt ebenfalls Achtung vor dem Motiv, allerdings ist sie Teil der neuen Zeit, die diese Größe nur noch pitoresk würdigt und nicht mehr als bahnbrechende Architekturleistung. Die Baufälligkeit der Architektur die der Künstler gestaltet, ist ebenfalls ein Kommentar, der Schutzlosigkeit und der Vergänglichkeit der einstigen Größe, die sich das „gemalt und begafft werden“ in der Blütezeit ihrer Entstehung verbeten hätte, aufnimmt. Achtung, Kommentar, Ironie und Selbstreflexion fliessen so in das Bild hinein.

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