Der Astralleib von Rene Margritte erscheint seiner Witwe

20 Juni, 2009 | Malerei

Das Ölgemälde “ Der Astralleib von Rene Margritte erscheint seiner Witwe am Strande von La Panne, während ein britisches U-Boot den Kreuzer Delgardo torpediert“, entstand 1982 und ist 50 x 40 cm groß. Das Hochformat ist in Öl/Kasein auf Holz ausgeführt. Die Signatur des Künstlers ist am linken Bildrand mit „Benedikt 1982“ angebracht.

Ölgemälde "Astralleib von R. Margritte..., 1982, WVZ 0083-09, Privatbesitz

Ölgemälde "Astralleib von R. Margritte..., 1982, WVZ 0083-09, Privatbesitz

Der mit Abstand längste Titel, den Herbert Benedikt je für ein Bild gewählt hat, lehnt sich im Motiv und in der Verwendung an eines seiner großen Vorbilder an. Der belgische Maler und Surrealist Rene Margritte hat Herbert Benedikt immer begeistert und in den 80er Jahren entstanden mehrere Bilder, die sich direkt mit dem Belgier auseinandersetzen.

Das Bild zeigt eine klassische Szene von Sommerfrischlern an einer Strandpromenade. Ein Mann der nahezu durchsichtig, aber doch als aus der Rückenperspektive gesehener älterer Herr mit Melone, Mantel und Gehstock zu erkennen ist steht neben einer in einem Lehnstuhl sitzenden ältlichen Frau, die mit Hut und Mops gar nicht überrascht zu dem Herren, der sie frontal ansieht schaut.

Laut Titel handelt es sich bei den beiden Personen um den Astralleib des längst verstorbenen belgischen Malers Rene Margritte und seiner Witwe. Die Frau ist proportional größer als die Männerfigur obwohl sie als Sitzende dargestellt ist.

Im Hintergrund öffnet sich die Szenerie hinter einer Reling bzw eines Laufgitters auf ein Meer. Rechts neben der Frau erscheint in großer Entfernung eine Rauchsäule, die nicht unähnlich einem Atompilz gestaltet ist.

Laut Titel handelt es sich dabei um das Ergebnis der Topedierung des argentinischen Kreuzers Delgado durch ein britisches U-Boot. Das U-Boot ist anscheinend auf Tauchfahrt daher nicht zu erkennen. Auch der Kreuzer verschwindet in der Rauchsäule.

Benedikt malte das Bild als Reflex auf den Falklandkrieg zwischen Argentinien und England. Während dieser Kampfhandlungen kam es tatsächlich zur Versenkung des argentinischen Kriegsschiffes durch britische Streitkräfte. Benedikt siedelt die Geschichte in eine surreale Begegnung von zwei ehemals verheirateten Menschen an. Eine surreale Begegnung, die dem Maler genauso möglich erscheint, wie eine kriegerische Kampfhandlung zwischen zivilisierten Staaten im 20ten Jahrhundert. Der Kommentar des Malers ist die nicht real mögliche Begegnung. Das er den geschätzten belgischen Künstlerkollegen als Motiv für diese Gegenüberstellung nimmt, zeigt, dass Benedikt der Unglaublichkeit der Situation mit einer unglaublichen, da unrealen Bildsprache antwortet.

Durch diesen Zusammenhang werden beide Erzählebenen gleich irrational bzw. gleich real, was zur zusätzlichen Verwirrung und Irritation des Betrachters führt, der durch das Bild (Zeit-)Zeuge wird. Benedikt hat in den 80er Jahren öfter Künstlerkollegen als Zitate oder als Personage für seine Bilder genutzt. Rene Margritte erfreute sich dabei besonderer Beliebtheit, aber auch Andy Warhol oder der Schauspieler Minetti.
Das Bild wird im Schulbuch: Schulbuch Forum Ethik 11 ISBN 3-12-006465-7 der Ernst Klett Verlag GmbH als Abbildung verwendet

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