Der Traum des Poeten

11 Juni, 2009 | Malerei

Das Ölgemälde „Der Traum des Poeten“ ist 40 x 50 cm groß, 1980 in Öl und Mischtechnik entstanden. Das Bild ist rechts unten mit Benedikt 1980 signiert. Die Arbeit befindet sich in Privatbesitz.

Das Bild zeigt in mehrfacher Hinsicht die Arbeitsweise von Herbert Benedikt.

Einmal bezieht sich der Maler auf eine vermutlich geträumte Raumsituation, zum anderen zitiert er im Bild weitere Werke und Motivgruppen von sich und darüber hinaus holt er sich selber unsichtbar durch die offene Tür, zu der ein Schosshund in Erwartung seines Herrchens blickt, mit hinein.

Der Aufbau des Bildes erinnert an eine Bühnensituation, da der rechte Rand von einem weggezogenen und festgebundenen, bodenlangen lilafarbenen Vorhang begrenzt wird. Die gewählte Farbigkeit erinnert an den Hinweis auf die Traumsituation im Bild. Ebenfalls von links fällt hinter dem Vorhang von einer nicht erkennbaren Lichtquelle ein heller, dreieckiger Lichtschein wie ein Spot gesetzt auf einen Tisch und die rechte Hälfte des Bildes. In dem Lichtkegel steht ein mit einer weissen Tischdecke gedeckter, runder Tisch, auf dem Wein und Brot wie zu einer kleinen Zwischenmahlzeit bereitgelegt sich befinden. Das Baguettebrot ist angegessen. Also scheint es, als ob der Esser bzw. Bewohner nur kurz aus dem Zimmer hinaus gegangen sei.

Weiter vom Lichtkegel beschienen befinden sich ein kleinformatiges Bild, mit dem Motiv (drei stehender, weisser Muscheln) sich Herbert Benedikt selber zitiert mit einem braunen Rahmen versehen an der Wand. Zwei weitere Arbeiten, eine in einem ähnlichen Format, die andere Arbeit kleiner jeweils auch in einem braunen Rahmen stehend mit der Schauseite zur Wand gelehnt.

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Der Traum des Poeten, WVZ 0037-1, in Privatbesitz

Ebenfalls vom Lichtkegel links im Bild angeschnitten, aber nur über ca 1/4 des Bildes beschienen oder wie von einem Schleier verdeckt , befindet sich ein großformatiges Bild an der Wand. Das im Bild gemalte Werk zeigt eine  Motivgruppe die Benedikt häufiger verwendetet (antike Priesterinnen, oder Nymphen). Vor dem Bild steht ein Möbel, das mit einer weissen Spitzendecke abgedeckt wurde. Es könnte sich um ein Sitzmöbel handeln, das wegen einer längeren Abwesenheit der Bewohner mit einem kostbaren Schonbezug überdeckt worden ist.

Dagegen sprechen die offene Weinflasche und das angessene Brot, sowie die Erwartungshaltung des Hundes zur im rechten Bildhintergrund angesiedelten offenen Zimmertür, die einen Blick ins unbestimmte Freie ermöglicht. Durch den Türspalt ist eine angedeutete Landschaft mit Horizontlinie zu erahnen, vor der scheinbar ein Feuer lodert.

Die Arbeit verbindet mit einem Teil der Motive eine Situation die als spontan und häuslich zu deuten, auf der anderen Seite aber auch als abwesend und verlassen zu lesen ist. Als ein Symbol für ein Gefühl von „zur falschen Zeit am falschen Ort“ oder von einer Ungleichzeitigkeit des Gleichzeitigen kann ausgegangen werden. Die häufigen Selbstzitate und das Hineinholen des Malers ins Bild macht eine Ebenenmehrdeutigkeit aus, die häufig bei Benedikt anzutreffen ist. Die Arbeit lebt von der Spannung dieser beiden Zustände und kann so zu unterschiedlichen Deutungen durch den Betrachter führen. Das Format des Werkes gehört in die Werkgruppe der größeren Ölgemälde Benedikts.

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