Die vertrauten Gegenstände

11 Juni, 2009 | Ausstellungen, Malerei

Das Ölgemälde „Die vertrauten Gegenstände“ ist 70 x 50 cm groß, entstand 1980 und ist in Öl auf Leinwand gemalt. Die Signatur des Künstlers befindet sich rechts unten im Bild. Es befindet sich in Privatbesitz.

Das Bild ist ein Stillleben mit sechs Gegenstandsgruppen, die eng über die hochformatige Bildfläche vor einem unbestimmten nach oben immer dunkler werdenen braunen Hintergrund verteilt sind.

Als erster Gegenstand erscheint ein Apfel, der immer wieder in den Arbeiten vom Künstler verwandt worden ist. Diesmal hat er noch drei, pyramidal über der Frucht angeordnete Blätter die in der Mitte an einem Stengel zusammenlaufen. Davor liegt eine große rosaweissgestaltete auffällige Muschel. Davor liegen drei unbestimmte, locker mit Abstand verteilte silberfarbene Münzen. Ein großer Vogelkopf der im Profil gezeigt ist befindet sich dahinter. Das Gefieder des gepflegten exotischen Vogels ist mit changierenden Blautönen gekennzeichnet. Das Auge des Vogels wirkt menschengleich, durch die Iris und die hellgraue Färbung der Pupille. Das Auge schaut aus dem Bild heraus, aber nicht den Betrachter an, sondern in unbestimmte Ferne. Der spitze Schnabel des Vogels steckt in einem Miniaturmammutbaum, der wiederum einem Bonsai gleich in einem Topf steckt. Der Topf wirkt von der gewählten Form und der Farbe, wie eine Guggelhupfform bzw. eine Backform.

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Die vertrauten Dinge, 1981, WVZ 0076

Die Kombination der exotischen Dinge und dem Vogelkopf erscheinen wie ein Kommentar des Malers zu seinem eigenen Leben. Die Assoziation liegt durch den gewählten Titel nahe. Der Apfel als alttestamentarische und typisch westfälische Frucht, von der sich der Maler als Motiv geistig, kreativ ernährt und der ihn verführt und hält. Die Muschel mit der Farbe und der Aufwölbung steht für die Sexualität und für den weiblichen Part, der für den Künstler überlebenswichtig ist und wegen deren er sein unsprüngliches Herkunftsgebiet verlassen hat. Beide gehören dem weiblichen Kosmos an. Das Geld als wirtschaftliche Notwendigkeit zum Überleben liegt bei beiden Teilen, die als Ergänzung aber auch als Wesensfremd verstanden werden können. Der blaue Exotenvogelkopf steht für das männliche, dem Wiener Künstler, angelehnt an die Meeresmuschel mit der rosa Farbgebung und dem Granatapfel für die Frau des Künstlers.

Der Miniaturmammutbaum ist ein Paradoxon, weil er ebenfalls ein Exot ist, der ausgewachsen nicht in andere Länder versetzt werden kann. Daher ist er in einer Backform wie in einen Blumentopf eingebracht, die eigentlich viel zu klein für die „normalen Bäume“ dieser Gattung ist.

Verbunden durch den eingewachsenen oder eingehauenen Schnabel des Vogels entsteht eine tiefe auch körperliche Verbindung. Der Blick des Vogels geht in die Ferne, die für ihn wegen der Verbindung mit dem Baum nicht mehr erreichbar ist.

Das Bild ist ein Kommentar zur Lebenssituation des Künstlers sowie zur seiner aktuellen (1980) Lebensbefindlichkeit. Verbundenheit und Wissen um Begrenzungen des Lebens schwingen in dem Bild mit. Die melancholische Stimmung des Bildes wird durch die Farbwahl, die nur bei der Muschel verändert ist, auch durch den unbestimmten dunklen Hintergrund ausgelöst.

Das Bild war 1997 in der Ausstellung Herbert Benedikt, 1925 – 1987, Phantastischer Realismus im Stadtmuseum in Beckum zu sehen.

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