Melancholie

11 Juni, 2009 | Ausstellungen, Malerei

Das Ölgemälde „Melancholie“ ist in Ölmalerei auf Kasein ausgeführt und hat die Masse 70 x 50 cm. Es entstand im Jahre 1977 und befindet sich in Privatbesitz.

Das Bild ist als Stillleben mit leichter Aufsicht auf eine Ablagefläche ausgerichtet. Die Kante der Auflageplatte ist dicht an den Bildrand gerückt und die gut sichtbare Schattenkante trägt die Signatur des Malers „Benedikt 1977“ links und den Titel der Arbeit „Melancholie“ rechts in gelben Lettern auf dunkelrotem Grund.

Die Platte ist als hellrosa marmorierte Auflageplatte angelegt, die einen sensiblen Kontrast zu den Objekten des Stilllebens und dem dunkelroten unbestimmten Hintergrund bildet, der von unten nach oben immer dunkler wird.

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Melancholie - Werkverzeichnis Benedikt WVZ 0018-1, Privatbesitz

Für Benedikts Bildsprache typisch ist die lockere Gruppierung der fünf Gegenstände, die das Stillleben bilden. Von links erscheint im hinteren Drittel des Bildes der Granatapfel, der häufiger in Benedikts Bildern auftaucht. Als Sinnbild der Liebe, als Krönung der menschlichen Gefühle, korrespondiert er mit dem Jugendstilglas rechts etwas vorgerückt und abgesetzt vom Granatapfel.

Dem gebürtigen Wiener und Freund des Weines war der Jugendstil nahe und mit dem Glas als feines und edles Exemplar dieser Epoche steht es für die große Kunstfertigkeit und Qualität, sowie für den Geschmack und die Lebenskunst. Beide Elemente bilden den linken Teil des Bildes.

Den rechten Teil markieren drei Objekte die näher aneinandergerückt sind. Im Vordergrund ein Zitat im Bild als ovale Miniatur ausgeführt. Mit diesem Bild im Bild zitiert Benedikt den italienischen Maler und Surrealisten  Giorgio de Chirico mit einem Detail aus dessen Werk „Melancholia“. Benedikt lehnt sich  mit seiner Namensbezeichnung direkt an dieses Vorbild an.

Die Miniatur steht vor einem Marmorsokel, um den ein grüner unbestimmter Stoff von oben fliessend umgelegt ist. Darauf und auf dem Stoff stehend steht ein ovales Deckelgefäss, was mit einer Prachturne oder einem Gartenvasenvorbild entziffert werden kann. Da dem Gefäss ein Lorbeerkranz umgelegt ist, scheint eine Urne als Metapher des vergangenen menschlichen Lebens, trotz der Krönung zu Lebzeiten als Maler-, Dichter- und Denkerfürst möglich.

Davor ganz rechts vor dem Sockel der Marmorstele ist ein kostbares und fein ziseliertes Prachtgefäss, ev. aus byzantinischer oder antiker Herkunft arrangiert.

Alle Dinge weisen durch ihre gemalten kostbaren Materialien auf eine jeweilige Glanzzeit und auf höchste Könnerschaft hin. Die menschliche Kreativität ist mit ihrer Vergänglichkeit ebenfalls durch die Urne im Bild. Da aller Glanz der dinglichen Welt so überdauern kann, könnte die Urne und der Titel als „schwacher Trost“ für die Menschen und den schaffenden Künstler im Allgemeinen gedeutet werden.

Benedikts Komposition ist stimmig und fein arrangiert und nimmt die Stimmung des Titels subtil auf.

Das Gemälde ist 1997 als Coverbild für den Katalog Herbert Benedikt, 1925-1987, Phantastischer Realismus, für die gleichnamige Ausstellung im Stadtmuseum Beckum genutzt worden.

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