Brunnen der Wahrheit

26 Juni, 2009 | Malerei

Das Ölgemälde “Brunnen der Wahrheit” wurde von Herbert Benedikt 1983 gemalt. Die Signatur befindet sich links unten im Bild. Das Bild hat die Masse von 50 x 60 cm und ist in Öl/Kasein auf Holz gemalt. Das Bild ist ein Stillleben und zeigt zwei Elemente, die aufeinander bezogen und durch eine gemeinsame Basis verbunden sind.

Ölgemälde Brunnen der Wahrheit, 1986, WVZ 0021/09, Privatbesitz
Ölgemälde Brunnen der Wahrheit, 1986, WVZ 0021/09, Privatbesitz

Das als Querformat gearbeitete Bild zeigt in der linken Hälfte des Bildes in naturalistischer Malweise den berühmten Römischen “Mund der Wahrheit” Bocca della verita, der in der Vorhalle der romanischen Kirche Santa Maria in Cosmedin in Rom zu finden ist. Das Original ist ein aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. stammendes Marmorrelief mit dem Kopf des Flussgottes Triton. Der Legende nach verspeist der Mund der Wahrheit die Hände von Lügnern.  Das Relief ist von Benedikt auf ein antikes Kapitell gestellt worden, das als Spolie abgearbeitet und ohne weitere Säulenreste das Relief trägt.

Diese Anordnung steht auf einem schwarzen Marmorsockel, der gleichmässig als Rechteck gestaltet, die  die Assoziation, durch die umlaufend gemalte schwarze Rille, eines Sarkophages aufkommen lässt.
Rechts neben dem Marmorrelief steht gleich hoch gearbeitet ein Vogelkopf im Profil. Der Vogel schaut in Richtung des Reliefs und sein roter Schnabel schneidet minimal das Relief. Der Kopf steht ohne Körper direkt auf dem Marmorsockel.
Benedikt malte zwei Mal den Bocca della verita. Das zweite Bild trägt den Titel “Mund der Wahrheit” WVZ-0037-1  von 1980 und befindet sich in Privatbesitz.
Beide Bilder entstanden als Reflexe auf Romreisen des Künstlers. Benedikt hat sich häufiger als Vogelkopf in seine Bilder hineingeholt. Der Vogel schaut zum Wahrheitsorakel. Der Blick scheint ein inneres Resumee zu ziehen. Die häufigen Selbstzweifel des Malers können hierzu ein Hintergrund bilden. Der Vogel ist aber gar nicht in der Lage eine Hand in den Mund zu legen, um so seine Wahrheit zu beweisen.
Daher bleibt die surreale Szenerie des Bildes offen. Vogel und Relief stehen auf einem Sarkophag, der Endlichkeit aber auch Ruhm bedeuten kann. Dass das Marmorrelief noch einen Erhöhung durch das reich dekorierte Kapitell erfährt, zeigt die legendäre Kraft und die Entrückheit des Kunstwerkes gegenüber des lebendigen und reich gefiederten Vogelkopfes. Leben und Tod, Legende und aktives Leben, Wahrheit und Zweifel sind so im Bild in Kontrasten durch die Motive einander gegenüber gestellt.
Das Bild ist nach Fertigstellung in den Besitz eines Verwandten des Künstlers übergegangen, der gegenüber dem Künstler beklagte, dass er bis zu diesem Zeitpunkt noch kein Bild von ihm hätte kaufen können. Das Motiv wurde offen gelassen und Benedikt lieferte das Bild nach einer Romreise zur Zufriedenheit des Verwandten. Das Bild wurde verkauft und befindet sich wieder in Privatbesitz.

Der Astralleib von Rene Margritte erscheint seiner Witwe

20 Juni, 2009 | Malerei

Das Ölgemälde ” Der Astralleib von Rene Margritte erscheint seiner Witwe am Strande von La Panne, während ein britisches U-Boot den Kreuzer Delgardo torpediert”, entstand 1982 und ist 50 x 40 cm groß. Das Hochformat ist in Öl/Kasein auf Holz ausgeführt. Die Signatur des Künstlers ist am linken Bildrand mit “Benedikt 1982″ angebracht.

Ölgemälde "Astralleib von R. Margritte..., 1982, WVZ 0083-09, Privatbesitz

Ölgemälde "Astralleib von R. Margritte..., 1982, WVZ 0083-09, Privatbesitz

Der mit Abstand längste Titel, den Herbert Benedikt je für ein Bild gewählt hat, lehnt sich im Motiv und in der Verwendung an eines seiner großen Vorbilder an. Der belgische Maler und Surrealist Rene Margritte hat Herbert Benedikt immer begeistert und in den 80er Jahren entstanden mehrere Bilder, die sich direkt mit dem Belgier auseinandersetzen.

Das Bild zeigt eine klassische Szene von Sommerfrischlern an einer Strandpromenade. Ein Mann der nahezu durchsichtig, aber doch als aus der Rückenperspektive gesehener älterer Herr mit Melone, Mantel und Gehstock zu erkennen ist steht neben einer in einem Lehnstuhl sitzenden ältlichen Frau, die mit Hut und Mops gar nicht überrascht zu dem Herren, der sie frontal ansieht schaut.

Laut Titel handelt es sich bei den beiden Personen um den Astralleib des längst verstorbenen belgischen Malers Rene Margritte und seiner Witwe. Die Frau ist proportional größer als die Männerfigur obwohl sie als Sitzende dargestellt ist.

Im Hintergrund öffnet sich die Szenerie hinter einer Reling bzw eines Laufgitters auf ein Meer. Rechts neben der Frau erscheint in großer Entfernung eine Rauchsäule, die nicht unähnlich einem Atompilz gestaltet ist.

Laut Titel handelt es sich dabei um das Ergebnis der Topedierung des argentinischen Kreuzers Delgado durch ein britisches U-Boot. Das U-Boot ist anscheinend auf Tauchfahrt daher nicht zu erkennen. Auch der Kreuzer verschwindet in der Rauchsäule.

Benedikt malte das Bild als Reflex auf den Falklandkrieg zwischen Argentinien und England. Während dieser Kampfhandlungen kam es tatsächlich zur Versenkung des argentinischen Kriegsschiffes durch britische Streitkräfte. Benedikt siedelt die Geschichte in eine surreale Begegnung von zwei ehemals verheirateten Menschen an. Eine surreale Begegnung, die dem Maler genauso möglich erscheint, wie eine kriegerische Kampfhandlung zwischen zivilisierten Staaten im 20ten Jahrhundert. Der Kommentar des Malers ist die nicht real mögliche Begegnung. Das er den geschätzten belgischen Künstlerkollegen als Motiv für diese Gegenüberstellung nimmt, zeigt, dass Benedikt der Unglaublichkeit der Situation mit einer unglaublichen, da unrealen Bildsprache antwortet.

Durch diesen Zusammenhang werden beide Erzählebenen gleich irrational bzw. gleich real, was zur zusätzlichen Verwirrung und Irritation des Betrachters führt, der durch das Bild (Zeit-)Zeuge wird. Benedikt hat in den 80er Jahren öfter Künstlerkollegen als Zitate oder als Personage für seine Bilder genutzt. Rene Margritte erfreute sich dabei besonderer Beliebtheit, aber auch Andy Warhol oder der Schauspieler Minetti.
Das Bild wird im Schulbuch: Schulbuch Forum Ethik 11 ISBN 3-12-006465-7 der Ernst Klett Verlag GmbH als Abbildung verwendet

Mann mit Baum Radierung

20 Juni, 2009 | Grafik

Die Radierung “Mann mit Baum” entstand 1975 als eine der im gesamten Oeuvre Herbert Benedikts selten vorkommenden Radierungen. Das hier gezeigte Blatt ist Nummer 5/25. Die Signatur des Künstlers befindet sich rechts unten auf dem Blatt. Das Blatt wurde anlässlich einer Ausstellung in Schloss Vornholz von den Besitzern zeitnah zum Entstehungszeitpunkt erworben.

Radierung Mann mit Baum, 1975, Privatbesitz

Radierung Mann mit Baum, 1975, Privatbesitz

Das Blatt hat die Größe von 28 x 21,5 cm und ist als Hochformat angelegt. Die verwendete Farbe zum Druck ist blau. Dadurch bekommt das Blatt eine starke Tiefenwirkung. Der Künstler hat die gesamte Platte bearbeitet. Das eigentliche Motiv, das auch in seiner Ölmalerei häufiger Verwendung findet, ist scheinbar aus einem Märchen entlehnt.

Ein mit einem kostbaren, pelzverbrämten Mantel gekleideter Mann liegt schlafend unter einem Baum. Der Baum scheint mittig aus seinem Körper zu wachsen oder steht eng hinter der schlafenden, horizontal ausgestreckten Figur. Das Gesicht ist zum Betrachter gewendet. Die Füsse sind parallel angeordnet und schauen aus dem, die sonstige Figur bedenkenden Mantel hervor. Ihre Anordnung ist der byzantinischen Fussanordnung des gekreuzigten Christus (parallel nicht übereinander) nicht unähnlich.

Durch den reich verzierten Mantel liegt der Schluss es könnte sich um eine russische Märchenfigur handeln nahe. Märchenhaft erscheint auch der Baum, der durch seine Krone, die in vielen Tentakeln ausläuft, weniger wie ein Baum, mehr wie eine Koralle oder ein Meeresbewohner wirkt.

Auf dem breiten Stamm laufen stengelartige Verästelungen in die Krone hinein und lassen ein florales Motiv wieder stärker werden.

Auch der Hintergrund dieser Szenerie ist stark ornamental wie Blüten oder kleine Sonnen gestaltet. Die Position der Figur und die traumhafte Umgebung lassen Zitate an den Traum des Josefs oder der Himmelsleiter oder der Wurzel Jesse erkennen. Die ornamentale Dekoration findet in Benedikts Werk immer wieder Verwendung. Der Baum kommt mit seiner Kronenform öfter auch als fein ziseliertes Gefäss mit Fuss vor.

Vergleich “Mond im Silberbaum”, WVZ 0046-09, 1971, in Privatbesitz.

Mond im Silberbaum, WVZ 0046-09, 1971, in Privatbesitz.

Mond im Silberbaum, WVZ 0046-09, 1971, in Privatbesitz.


Federzeichnung einer Dame

20 Juni, 2009 | Grafik

Die Federzeichnung “Dame” wurde von Herbert Benedikt 1975 angefertigt. Das Blatt ist 28 x 21.5 cm, im Hochformat mit schwarzer Tinte gezeichnet. Die Signatur befindet sich rechts unten im Blatt.

Federzeichnung: Herbert Benedikt: Dame, 1975, WVZ G 0001-09, in Privatbesitz

Federzeichnung: Herbert Benedikt: Dame, 1975, WVZ G 0001-09, in Privatbesitz

Die Federzeichnung wurde vom Künstler einem Sammlerehepaar geschenkt. Das Bild befindet sich bis heute in der Originalrahmung, die der Künstler angefertigt hatte. Als Passpartout dient ein aufwendiges, französisches Papier, das in Frankreich für den Inneneinband von Gesangbüchern genutzt wurde. Das Papier hatte der Künstler auf einer seiner häufigen Frankreichreisen mit seiner Frau für diese Zwecke in größeren Mengen mitgebracht. s.u.Detailausschnitt mit Originalrahmung Federzeichnung Dame 1975.

Die Federzeichnung zeigt einen Frauenkopf mit Hals und Brustansatz in leicht nach rechts gedrehter Frontalansicht. Das ebenmässige Antlitz der Frau ist mit einer gescheitelten, ebenmässigen, symetrischen Friseur umfangen. Die Betonung des Blattes liegt in den offenen, wachen Augen der Frau, die den Betrachter genau anzusehen scheinen.
Dezenter, um den Hals eng anliegender Schmuck markiert einen Übergang zwischen dem Frauenkopf und der angedeuteten Brustpartie, die die Schultern und einen U-Ausschnitt mit Kragen erkennen lässt. Ohrschmuck ist durch die leichte Drehung des Kopfes nur rechts erkennbar.
Die Frau ist vor einer gemusterten Tapete gezeichnet. Die Musterung ist durch ein feines Linienmuster und großen geschwungenen Blattornamenten einer Biedermeiertapete ähnlich gezeichnet. Die Blattornamente befinden sich in dem gewählten Passpartoutpapier wieder und setzen sich farblich abgesetzt in der Umgebung der Zeichnung scheinbar und optisch erkennbar fort.
Für Benedikt typisch sind die feinen Linienmuster, die den Hintergrund des Bildes bilden. Auch die großen floralen Ornamente sind ihm in der Zeichnung nicht fremd und werden immer wieder eingesetzt. Gerne wie hier im Zusammenhang mit dem ornamentalen, bedruckten Geschenkpapier.
Das Bild ist kein naturalistisches Portrait der Sammlerin, sondern die Sichtweise Benedikts auf die Sammlerin, die er im Verlauf von häufigen Gesprächen skizzierte und in diesem Blatt niederlegte. Durch die Wahl der Bekleidung und der Friseur entsteht ein Bild einer Dame um die Jahrhundertwende. Modisch und dezent gekleidet, ihren familiären Wohlstand dezent durch Schmuck und Kleidung auffallen lassen und dem Betrachter ruhig und offen entgegenschauend. Eine überzeitliche Hommage an die bürgerliche Weiblichkeit.
Detailausschnitt mit Originalrahmung Federzeichnung Dame, 1975

Detailausschnitt mit Originalrahmung Federzeichnung Dame, 1975


Die vertrauten Gegenstände

11 Juni, 2009 | Ausstellungen, Malerei

Das Ölgemälde “Die vertrauten Gegenstände” ist 70 x 50 cm groß, entstand 1980 und ist in Öl auf Leinwand gemalt. Die Signatur des Künstlers befindet sich rechts unten im Bild. Es befindet sich in Privatbesitz.

Das Bild ist ein Stillleben mit sechs Gegenstandsgruppen, die eng über die hochformatige Bildfläche vor einem unbestimmten nach oben immer dunkler werdenen braunen Hintergrund verteilt sind.

Als erster Gegenstand erscheint ein Apfel, der immer wieder in den Arbeiten vom Künstler verwandt worden ist. Diesmal hat er noch drei, pyramidal über der Frucht angeordnete Blätter die in der Mitte an einem Stengel zusammenlaufen. Davor liegt eine große rosaweissgestaltete auffällige Muschel. Davor liegen drei unbestimmte, locker mit Abstand verteilte silberfarbene Münzen. Ein großer Vogelkopf der im Profil gezeigt ist befindet sich dahinter. Das Gefieder des gepflegten exotischen Vogels ist mit changierenden Blautönen gekennzeichnet. Das Auge des Vogels wirkt menschengleich, durch die Iris und die hellgraue Färbung der Pupille. Das Auge schaut aus dem Bild heraus, aber nicht den Betrachter an, sondern in unbestimmte Ferne. Der spitze Schnabel des Vogels steckt in einem Miniaturmammutbaum, der wiederum einem Bonsai gleich in einem Topf steckt. Der Topf wirkt von der gewählten Form und der Farbe, wie eine Guggelhupfform bzw. eine Backform.

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Die vertrauten Dinge, 1981, WVZ 0076

Die Kombination der exotischen Dinge und dem Vogelkopf erscheinen wie ein Kommentar des Malers zu seinem eigenen Leben. Die Assoziation liegt durch den gewählten Titel nahe. Der Apfel als alttestamentarische und typisch westfälische Frucht, von der sich der Maler als Motiv geistig, kreativ ernährt und der ihn verführt und hält. Die Muschel mit der Farbe und der Aufwölbung steht für die Sexualität und für den weiblichen Part, der für den Künstler überlebenswichtig ist und wegen deren er sein unsprüngliches Herkunftsgebiet verlassen hat. Beide gehören dem weiblichen Kosmos an. Das Geld als wirtschaftliche Notwendigkeit zum Überleben liegt bei beiden Teilen, die als Ergänzung aber auch als Wesensfremd verstanden werden können. Der blaue Exotenvogelkopf steht für das männliche, dem Wiener Künstler, angelehnt an die Meeresmuschel mit der rosa Farbgebung und dem Granatapfel für die Frau des Künstlers.

Der Miniaturmammutbaum ist ein Paradoxon, weil er ebenfalls ein Exot ist, der ausgewachsen nicht in andere Länder versetzt werden kann. Daher ist er in einer Backform wie in einen Blumentopf eingebracht, die eigentlich viel zu klein für die “normalen Bäume” dieser Gattung ist.

Verbunden durch den eingewachsenen oder eingehauenen Schnabel des Vogels entsteht eine tiefe auch körperliche Verbindung. Der Blick des Vogels geht in die Ferne, die für ihn wegen der Verbindung mit dem Baum nicht mehr erreichbar ist.

Das Bild ist ein Kommentar zur Lebenssituation des Künstlers sowie zur seiner aktuellen (1980) Lebensbefindlichkeit. Verbundenheit und Wissen um Begrenzungen des Lebens schwingen in dem Bild mit. Die melancholische Stimmung des Bildes wird durch die Farbwahl, die nur bei der Muschel verändert ist, auch durch den unbestimmten dunklen Hintergrund ausgelöst.

Das Bild war 1997 in der Ausstellung Herbert Benedikt, 1925 – 1987, Phantastischer Realismus im Stadtmuseum in Beckum zu sehen.

Der Traum des Poeten

11 Juni, 2009 | Malerei

Das Ölgemälde “Der Traum des Poeten” ist 40 x 50 cm groß, 1980 in Öl und Mischtechnik entstanden. Das Bild ist rechts unten mit Benedikt 1980 signiert. Die Arbeit befindet sich in Privatbesitz.

Das Bild zeigt in mehrfacher Hinsicht die Arbeitsweise von Herbert Benedikt.

Einmal bezieht sich der Maler auf eine vermutlich geträumte Raumsituation, zum anderen zitiert er im Bild weitere Werke und Motivgruppen von sich und darüber hinaus holt er sich selber unsichtbar durch die offene Tür, zu der ein Schosshund in Erwartung seines Herrchens blickt, mit hinein.

Der Aufbau des Bildes erinnert an eine Bühnensituation, da der rechte Rand von einem weggezogenen und festgebundenen, bodenlangen lilafarbenen Vorhang begrenzt wird. Die gewählte Farbigkeit erinnert an den Hinweis auf die Traumsituation im Bild. Ebenfalls von links fällt hinter dem Vorhang von einer nicht erkennbaren Lichtquelle ein heller, dreieckiger Lichtschein wie ein Spot gesetzt auf einen Tisch und die rechte Hälfte des Bildes. In dem Lichtkegel steht ein mit einer weissen Tischdecke gedeckter, runder Tisch, auf dem Wein und Brot wie zu einer kleinen Zwischenmahlzeit bereitgelegt sich befinden. Das Baguettebrot ist angegessen. Also scheint es, als ob der Esser bzw. Bewohner nur kurz aus dem Zimmer hinaus gegangen sei.

Weiter vom Lichtkegel beschienen befinden sich ein kleinformatiges Bild, mit dem Motiv (drei stehender, weisser Muscheln) sich Herbert Benedikt selber zitiert mit einem braunen Rahmen versehen an der Wand. Zwei weitere Arbeiten, eine in einem ähnlichen Format, die andere Arbeit kleiner jeweils auch in einem braunen Rahmen stehend mit der Schauseite zur Wand gelehnt.

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Der Traum des Poeten, WVZ 0037-1, in Privatbesitz

Ebenfalls vom Lichtkegel links im Bild angeschnitten, aber nur über ca 1/4 des Bildes beschienen oder wie von einem Schleier verdeckt , befindet sich ein großformatiges Bild an der Wand. Das im Bild gemalte Werk zeigt eine  Motivgruppe die Benedikt häufiger verwendetet (antike Priesterinnen, oder Nymphen). Vor dem Bild steht ein Möbel, das mit einer weissen Spitzendecke abgedeckt wurde. Es könnte sich um ein Sitzmöbel handeln, das wegen einer längeren Abwesenheit der Bewohner mit einem kostbaren Schonbezug überdeckt worden ist.

Dagegen sprechen die offene Weinflasche und das angessene Brot, sowie die Erwartungshaltung des Hundes zur im rechten Bildhintergrund angesiedelten offenen Zimmertür, die einen Blick ins unbestimmte Freie ermöglicht. Durch den Türspalt ist eine angedeutete Landschaft mit Horizontlinie zu erahnen, vor der scheinbar ein Feuer lodert.

Die Arbeit verbindet mit einem Teil der Motive eine Situation die als spontan und häuslich zu deuten, auf der anderen Seite aber auch als abwesend und verlassen zu lesen ist. Als ein Symbol für ein Gefühl von “zur falschen Zeit am falschen Ort” oder von einer Ungleichzeitigkeit des Gleichzeitigen kann ausgegangen werden. Die häufigen Selbstzitate und das Hineinholen des Malers ins Bild macht eine Ebenenmehrdeutigkeit aus, die häufig bei Benedikt anzutreffen ist. Die Arbeit lebt von der Spannung dieser beiden Zustände und kann so zu unterschiedlichen Deutungen durch den Betrachter führen. Das Format des Werkes gehört in die Werkgruppe der größeren Ölgemälde Benedikts.

Die grosse Reisende im Traum oder das Ende eines Sommers

11 Juni, 2009 | Malerei

Das Ölgemälde “Die grosse Reisende im Traum oder das Ende eines Sommers” entstand 1985, ist 50 x 60 cm groß und wurde in Öl auf Kasein auf Holz ausgeführt. Es befindet sich heute in Privatbesitz. Das Bild ist rechts unten signiert.

Das Bild zeigt vor einer gebirgigen Horizontlinie gegen die sich ein wolkenloser blauer Himmel absetzt eine gelbe Sandwüstenlandschaft. Das Bild ist durch die beiden Ebenen ungefähr genau horizontal halbiert. Auf der gelben Wüstenebene sieht man im Mittelgrund eine Reiterin in Damensitz nach links auf einem braunen Reitpferd galoppieren. In Haltung und Kleidung scheint es eine Figur aus dem 19. Jahrhundert zu sein.

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Die grosse Reisende, WVZ 0018-4, Privatbesitz

Der gebürtige Wiener Herbert Benedikt hat hier in der Figur der Reiterin, eines der bekannten Reiterportraits der österreichischen Kaiserin Elisabeth genannt Sissi, zitiert.

In der anderen Hälfte des Bildes steht ein rot bezogener Lehnstuhl, der vom Betrachter weggewendet etwas seitlich vor einer Kaminumrahmung steht, die einen Ausblick auf das dahinterliegende Wüstenfeld und das Gebirge ermöglicht. Mittig in der Kaminumrahmung ist ein loderndes Feuer gemalt, das vor und hinter dem Kaminsturz stark qualmende Rauchwolken nach links in Richtung Reiterin abgibt.

Der Maler hat sich mit dem leeren Lehnstuhl selbst unsichtbar ins Bild geholt. Er scheint alleine vor einer unsinnigen Feuerstelle zu sitzen und über sich und die Welt nachzudenken. Er scheint sich wie die immer auf der Flucht gewesene Kaiserin von Österreich einsam und verlassen zu fühlen und das Feuer ist nicht wärmend sondern gibt nur ungesunden Qualm ab. Auch braucht man das Feuer in der Wüste nicht zum Wärmen, zumindest tagsüber nicht und zum Kochen ist die Situation nicht zu gebrauchen.

Obwohl das Bild in klaren hellen Farben gemalt ist, sind die beiden miteinander verbundenen Handlungsstränge nicht heiter sondern eher melancholisch und durch die Titelwahl scheint auch vom Maler eine nachdenkliche Stimmung, die über Einsamkeit, zur falschen Zeit am falschen Ort oder an das Ende einer freudigen Epochen anknüpfen will, gedacht zu sein.

Melancholie

11 Juni, 2009 | Ausstellungen, Malerei

Das Ölgemälde “Melancholie” ist in Ölmalerei auf Kasein ausgeführt und hat die Masse 70 x 50 cm. Es entstand im Jahre 1977 und befindet sich in Privatbesitz.

Das Bild ist als Stillleben mit leichter Aufsicht auf eine Ablagefläche ausgerichtet. Die Kante der Auflageplatte ist dicht an den Bildrand gerückt und die gut sichtbare Schattenkante trägt die Signatur des Malers “Benedikt 1977″ links und den Titel der Arbeit “Melancholie” rechts in gelben Lettern auf dunkelrotem Grund.

Die Platte ist als hellrosa marmorierte Auflageplatte angelegt, die einen sensiblen Kontrast zu den Objekten des Stilllebens und dem dunkelroten unbestimmten Hintergrund bildet, der von unten nach oben immer dunkler wird.

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Melancholie - Werkverzeichnis Benedikt WVZ 0018-1, Privatbesitz

Für Benedikts Bildsprache typisch ist die lockere Gruppierung der fünf Gegenstände, die das Stillleben bilden. Von links erscheint im hinteren Drittel des Bildes der Granatapfel, der häufiger in Benedikts Bildern auftaucht. Als Sinnbild der Liebe, als Krönung der menschlichen Gefühle, korrespondiert er mit dem Jugendstilglas rechts etwas vorgerückt und abgesetzt vom Granatapfel.

Dem gebürtigen Wiener und Freund des Weines war der Jugendstil nahe und mit dem Glas als feines und edles Exemplar dieser Epoche steht es für die große Kunstfertigkeit und Qualität, sowie für den Geschmack und die Lebenskunst. Beide Elemente bilden den linken Teil des Bildes.

Den rechten Teil markieren drei Objekte die näher aneinandergerückt sind. Im Vordergrund ein Zitat im Bild als ovale Miniatur ausgeführt. Mit diesem Bild im Bild zitiert Benedikt den italienischen Maler und Surrealisten  Giorgio de Chirico mit einem Detail aus dessen Werk “Melancholia”. Benedikt lehnt sich  mit seiner Namensbezeichnung direkt an dieses Vorbild an.

Die Miniatur steht vor einem Marmorsokel, um den ein grüner unbestimmter Stoff von oben fliessend umgelegt ist. Darauf und auf dem Stoff stehend steht ein ovales Deckelgefäss, was mit einer Prachturne oder einem Gartenvasenvorbild entziffert werden kann. Da dem Gefäss ein Lorbeerkranz umgelegt ist, scheint eine Urne als Metapher des vergangenen menschlichen Lebens, trotz der Krönung zu Lebzeiten als Maler-, Dichter- und Denkerfürst möglich.

Davor ganz rechts vor dem Sockel der Marmorstele ist ein kostbares und fein ziseliertes Prachtgefäss, ev. aus byzantinischer oder antiker Herkunft arrangiert.

Alle Dinge weisen durch ihre gemalten kostbaren Materialien auf eine jeweilige Glanzzeit und auf höchste Könnerschaft hin. Die menschliche Kreativität ist mit ihrer Vergänglichkeit ebenfalls durch die Urne im Bild. Da aller Glanz der dinglichen Welt so überdauern kann, könnte die Urne und der Titel als “schwacher Trost” für die Menschen und den schaffenden Künstler im Allgemeinen gedeutet werden.

Benedikts Komposition ist stimmig und fein arrangiert und nimmt die Stimmung des Titels subtil auf.

Das Gemälde ist 1997 als Coverbild für den Katalog Herbert Benedikt, 1925-1987, Phantastischer Realismus, für die gleichnamige Ausstellung im Stadtmuseum Beckum genutzt worden.

Stillleben mit Zinndose

11 Juni, 2009 | Ausstellungen, Malerei

Das Ölgemälde “Stillleben mit Zinndose” von Herbert Benedikt hat die Masse von 50 x 40 cm, stammt aus dem Jahr 1968 und befindet sich in Privatbesitz.

Die vier locker angeordneten Gegenstände stehen scheinbar nur zufällig auf einem unbestimmten, roten Untergrund, der sich im unteren Drittel gegen einen dunklen Hintergrund abhebt.

Von links nach rechts gesehen, liegt ein Fragment eines versteinerten Farns der leicht trapezförmig geformt ist, vor einer grossen, rechteckigen Zinndose, die auf der leicht gedrehten Schauseite ein Halbprofil zeigt und im oberen Abschluss angerundet Rauch ausstösst. Davor steht ein Labormessröhrchen und schneidet die Seite der Zinndose. Als letzter Gegenstand liegt eine angeschnittene, 1/6 offene Frucht zum Betrachter gewendet.

Herbert Benedikt: Stillleben mit Zinndose

Aus der Biografie “Mein Leben mit dem Maler Herbert Benedikt” von Liselotte Benedikt verfasst und herausgegeben, kann man lesen, dass der Maler oft Dinge des alltäglichen Lebens als Motive für seine Bildkompositionen entlehnte. Auch hier sind neben der offensichtlichen Anordnung und Komposition biografische Elemente eingeflossen, die das Bild seiner Frau, facettengleich aufgeschlüsselt in vier wesentliche Elemente teilt.

Der Farn als Metapher für Verwurzelung und Stärke über die Zeit hinaus, die Zinndose, die ein Geschenk seiner Frau an ihn darstellt, ist mit ihrem Profil geschmückt und lässt “den Schornstein rauchen”, als Metapher der Berufstätigkeit. Das Laborröhrchen als Hinweis auf die konkrete Beschäftigung seiner Frau als MTA und Laborleiterin und die offene Frucht als Metapher der sexuellen Komponente der Beziehung, die dann auch als Maler und Modell gedeutet werden kann.

Das Bild wurde in der letzten großen Ausstellung im Jahre 2007 im Museum Abtei Liesborn gezeigt.

Werkverzeichnis Herbert Benedikt gestartet

11 Juni, 2009 | Allgemein, Ausstellungen, Grafik, Kunst am Bau, Literatur, Malerei

Im Jahr 2008 feierte der phantastische Realismus der Wiener Schule seinen 50ten Geburtstag und dieser Kunstgattung und ihren Vertretern gelang eine Art “Comeback” in Sammlungen und Auktionen.

Auch den Arbeiten von dem gebürtigen Wiener Künstler Herbert Benedikt, der 1987 verstarb, wurde wieder mehr Aufmerksamkeit zuteil. Unter Sammlern und Liebhabern seiner Kunst wurde der Wunsch nach einem Werkverzeichnis des Künstlers immer dringender, so dass sich die Witwe Lieselotte Benedikt an die Kunstagentur Hoffmann gewandt hat, um mit professioneller Hilfe ein solches Projekt zu realisieren.

Herbert Benedikt (1925-1987) mit Stillleben mit Zinndose

Der erste Schritt in diesem Prozess wird die Präsentation des Werkes von Herbert Benedikt im Rahmen der Kunstagentur Hoffmann sein. Informationen und Bilder sollen hier der interessierten Öffentlichkeit vorgestellt und Sammlern eine Anlaufstation gegeben werden. Auch soll über die Internetpräsenz des Werkes von Herbert Benedikt der Austausch innerhalb der Sammlerkreise und Liebhaber ermöglicht werden. In den nächsten Wochen werden die Arbeiten von Herbert Benedikt hier vorgestellt und im Rahmen der Galerie zugänglich sein. Kontakt und Informationen sowie Ansprechpartner für die weitere finanzielle Förderung des Projektes  können über die Kunstagentur Hoffmann erreicht werden.