Vita Herbert Benedikt
Herbert Benedikt (* 22. September 1925 in Wien, + 23. Juli 1987 in Neu-Beckum, Westfalen) war ein österreichischer Maler, Grafiker, Mosaizist.
Leben und Wirken
Benedikt wird als Sohn der Schneiderin Maria Kandler-Benedikt und eines bulgarischen Ingenieur-Studenten geboren. Der Vater verlässt Mutter und Sohn noch im Kleinkindesalter, hält aber Kontakt zum Kind. Er wächst im Haus seiner Grosseltern in Wien-Währing auf. Sein Grossvater war selbständiger Schuhmachermeister, die Grossmutter böhmische Köchin. Auch seine Mutter lebt im Haus der Eltern/Grosseltern, so dass er behütet aufwuchs. Im Schrebergarten seiner Grosseltern lernte er den Maler Emil Witasek und dessen Arbeit kennen, die ihn sehr beeinflussten in dem Wunsch Maler zu werden.
Mit fünf Jahren verliess der Vater nach Abschluss seiner Studien in Wien die Familie. Mit neun Jahren verliess auch die Mutter den Haushalt, um bei einem italienischen Industriellen als Hausdame in Mailand zu arbeiten. Er sah seine Mutter nur noch in den Schulferien, die er bei ihr in Italien verbrachte und die seine große Liebe zu dem Land begründeten.
Seine Schulausbildung absolvierte er zuerst an einem Realgymnasium und danach von 1939 bis 1941 an der Handelsakademie. Auf Wunsch der Grosseltern wurde er Volontär bei der Creditanstalt Bankverein in Wien und besuchte die Bankfachschule, bevor er 1943 zum Reichsarbeitsdienst und 1944 in die Wehrmacht eingezogen wurde. Er geriet in russische Kriegsgefangenschaft und verbrachte vier Jahre in einem Wiesenlager in der Nähe der Krim, bevor er 1948 nach Wien zurückkehren konnte.
Seine Grossmutter pflegte ihn ein Jahr, bis er wieder gesund wurde. Da der Wohnort der Grosseltern in der amerikanischen Besatzungszone von Wien lag, konnte er dank seiner Englischkenntnisse bereits den Damen der amerikanischen Offiziere Malunterricht geben. Selber nahm er wieder Kontakt zum Maler Emil Witasek auf um weiter zu lernen und arbeitete in der Kunstkeramikwerkstatt Höllerer in Wien.
Künstlerischer Werdegang
Von 1950 bis 1952 studierte er Malerei bei Professor Wimmer-Wisgrill an der Hochschule für Angewandte Kunst und bei Professor Albert Paris Gütersloh an der Akademie für Bildende Künste. Aus dieser Zeit stammen seine Kontakte zu Ernst Fuchs u.a.
1953 war er Schüler von dem fünf Jahre jüngeren Fuchs, weil er durch seinen Kriegseinsatz Jahre der Ausbildung verloren hatte. Fuchs führte Benedikt in die Techniken der grafischen Kunst ein.
1954 liess er sich mit der ersten eigenen Wohnung als freischaffender Künstler in Wien nieder.
1955 zeigte er seine ersten Bilder in der Sommerakademie “Schule des Sehens” bei Professor Oskar Kokoschka in Salzburg. Er blieb dort ein halbes Jahr und arbeitete als Bühnenbildnerassistent bei Professor Schuh.
Zurück in Wien war er Mitbegründer der Kellerbühne “Kleines Experiment am Lichtenwerd” und unternahm wann immer es die finanziellen und zeitlichen Mittel erlaubten Reisen durch die Mittelmeerländer.
1959 lernte er die Deutsche Lieselotte Benedikt kennen und siedelte mit ihr nach einer kurzen Zeit in Wien nach Neu-Beckum in Westfalen über. An seinem neuen Wohnort entstanden Zeichnungen und Aquarelle, die von der Formensprache des Surrealisten Giorgio de Chirico beeinflusst sind.
1962 fand seine erste Einzelausstellung in Soest (Westfalen) in Deutschland statt. Es folgten öffentliche Aufträge für Objekte am Bau (Jahnstadion Oelde 1964, Bleiglasfenster und Wandgestaltungen in Beckum, Oelde, Stromberg), sowie weitere Ausstellungen. Bei Ernst Fuchs in Wien stellte er aus, im Wilhelm-Böhler-Haus in Bonn, in Galerien in Villingen, Soest und in den Sparkassen von Beckum und Oelde. Darüber hinaus war in Gruppenausstellungen in Münster, Soest, Dortmund, Berlin, Hannover, Hamm, Steinfurt beteiligt.
Von 1968 bis 1971 war er Zeichenlehrer an der Fachhochschule für Innenarchitektur in Beckum und Detmold.
Von 1972 bis 1974 studierte er selber parallel zu seiner Lehrtätigkeit an der Fachhochschule Lippe im Fachbereich Innenarchitektur/Architektur und schloss seine Studien mit dem Ingenieurdiplom ab.
Ab 1975 bis zu seinem Tod 1987 war er als freischaffender Künstler in Neubeckum tätig.
Kennzeichnend für das künstlerische Werk Benedikts sind die detaillierte Kleinarbeit und der hohe technische Standard seiner Arbeiten. Häufig zitiert er sich selber oder die Kollegen bzw. Themen der Kunstgeschichte, die ihn besonders beschäftigen. Immer wieder fliessen auch Dinge des Alltags, Motive aus dem Berufsleben seiner Frau, oder seinen persönlichen Befindlichkeiten ein. Häufig kommt der Clown als Metapher für den Künstler in den Bildern vor. Seine Figurationen leben von einer phantastischen und märchenhaften Anmutung und werden immer wieder variiert. In seinen Bildern wird auch schonungslos sein eigenes Befinden, wie Krankheit, Freude oder Enttäuschung reflektiert.
Text z.T. angelehnt an Lieselotte Benedikt, Mein Leben an der Seite des Malers Herbert Benedikt, Books on Demand, Selbstverlag, 1995
Werkauswahl:
Stillleben mit Zinndose, 1968
Das geheime Leben, 1976
Melancholie, 1977
Moment musical (Homage á Goya, 1978
Im Garten der Venus, 1978
Stillleben I, 1979
Im Glanz des Herbstes, 1981
Die vertrauten Gegenstände, 1980
Die Burg in der Wüste, 1982
Der Traum des Poeten, 1982
Das einzig wahrhafte Portrait des Federigo da Montefeltre, 1983
Am Abend Europas, 1985
Das Ende des Sommers, 1985
Arabisches Stillleben, 1985
Fiorentina, 1968
Das Pferd des Herrschers, 1987
Zukunft – sie ist schon vorbei I, 1987
Zukunft – sie ist schon vorbei II, 1987
Bibliografie
Benedikt, Lieselotte: Mein Leben mit dem Maler Herbert Benedikt, Beckum 1997, Books on Demand
Giesing, Martin: Herbert Benedikt 1925 – 1987, Phantastischer Realismus, Katalog Stadtmuseum Beckum, 1987
Smitmans, Alfred: Katalog Liesborn, Wadersloh 1985
Frey, H.: Künstler sehen Westfalen, Frankfurt a. M. 1979
Ausstellungen
2007: Herbert Benedikt – Phantastischer Realismus, Museum Abtei Liesborn 2007
1997: Herbert Benedikt – 1925-1987, Phantastischer Realismus, Stadtmuseum Beckum 1997
1985: Herbert Benedikt – Museum Abtei Liesborn 1985
1976: Herbert Benedikt – Wilhelm-Böhler-Club, Bonn 1976
1963: Grafik von Herbert Benedikt, Galerie Fuchs, Wien 1963
Literatur
Benedikt, Lieselotte: Mein Leben mit dem Maler Herbert Benedikt, Beckum 1997, Books on Demand
Giesing, Martin: Herbert Benedikt 1925 – 1987, Phantastischer Realismus, Katalog Stadtmuseum Beckum, 1987
Hoffmann, Christiane: Werkverzeichnis Herbert Benedikt, in Arbeit, online unter http://www.kunstagentur-hoffmann.de/art-service/kunstagentur-hoffmann-erstellt-werkverzeichnis-von-herbert-benedikt/
Sammlungen
Museum Abtei Liesborn, LWL Landesmuseum Münster, Sammlung der Stadt Wien,
Herbert Benedikt

Comment von Barbara Konieczny
Time Fr 23. April 2010 at 11:07
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich bin in Besitz von zwei großen Federzeichnungen von Herrn Herbert Benedikt. Die eine ist “l’amour passer le temp” von 1970. Den Maler kannte ich persönlich.
Mit freundlichen Grüßen
Barbara Konieczny